Internes Audio auf macOS aufnehmen: Drei Methoden im Vergleich
Du drückst in QuickTime Player auf Aufnahme und bekommst Stille – oder nur deine eigene Stimme aus dem eingebauten Mikrofon. Das passiert, weil macOS keinen nativen Weg hat, das Audio aufzunehmen, das auf deinem Mac läuft. Das ist seit Jahren so und gilt für jede macOS-Version, einschließlich macOS 26 Tahoe.
Das Problem ist lösbar. Du brauchst einen virtuellen Audiotreiber, der den Systemaudio-Ausgang in einen Eingang überführt, den Aufnahme-Apps sehen. Dieser Beitrag erklärt drei Wege dorthin, was jeder an Zeit und Geld kostet und welche Aufnahme-App du dann nutzt.
Warum macOS Systemaudio-Aufnahme blockiert
Apple sandboxt das Audio jeder App zum Schutz der Privatsphäre. Eine App kann den Audio-Ausgang einer anderen App nicht ohne explizite systemweite Berechtigung abgreifen. Das verhindert, dass eine zufällige App heimlich deine FaceTime-Anrufe oder Banking-Benachrichtigungen mitschneidet.
Der Trade-off: Es gibt keine „Aufnehmen, was du hörst“-Funktion. QuickTime kann deinen Bildschirm aufnehmen und dein Mikrofon erfassen, Systemaudio ist aber tabu. Apples Core-Audio-Framework unterstützt virtuelle Audiogeräte, die diese Lücke schließen können – Apple liefert aber keines mit. Das musst du selbst installieren.
So sieht der Signalweg aus, sobald ein virtueller Treiber installiert ist:
Methode 1: Soundshine (30 Sekunden, 7,99 $)
Soundshine installiert einen leichtgewichtigen virtuellen Audiotreiber und erstellt einen „Soundshine Microphone“-Eingang, der das gesamte Systemaudio erfasst. Der wesentliche Unterschied zu anderen virtuellen Treibern: Dein Systemausgang bleibt auf deinen Lautsprechern. Du hörst alles normal, während das virtuelle Mikrofon es gleichzeitig erfasst. Keine Multi-Output-Konfiguration nötig.
- Soundshine herunterladen und DMG öffnen.
- Installer ausführen. Ein geführter Setup-Assistent installiert den Audiotreiber. Dauert rund 30 Sekunden und verlangt einmal dein Mac-Passwort.
- Soundshine-Symbol in der Menüleiste anklicken. Routing-Schalter einschalten.
- Aufnahme-App öffnen und Soundshine Microphone als Audio-Eingang wählen.
- Aufnahme starten.
Audio wird mit 48 kHz, 32-Bit-Float-Stereo erfasst. Läuft auf Apple Silicon und Intel-Macs unter macOS 26 Tahoe oder neuer.
Eine kostenlose Testversion ist verfügbar. Sie versieht den Audio-Ausgang mit Wasserzeichen, damit du den ganzen Workflow vor dem Kauf testen kannst. Die Vollversion kostet einmalig 7,99 $.
Methode 2: BlackHole (kostenlos, 20–40 Minuten Setup)
BlackHole ist ein kostenloser, quelloffener virtueller Audiotreiber. Funktioniert gut, erfordert aber manuelle Konfiguration im macOS-Audio-MIDI-Setup, damit du beim Aufnehmen weiterhin Audio über deine Lautsprecher hörst. Ohne diese Konfiguration legt das Umrouten deines Systemausgangs auf BlackHole deine Lautsprecher lahm.
Hier der vollständige Ablauf:
- BlackHole von existential.audio herunterladen und installieren.
- Audio-MIDI-Setup öffnen (per Spotlight suchen).
- Auf das + unten links klicken und Multi-Output-Gerät erstellen wählen.
- Sowohl BlackHole 2ch als auch deinen normalen Ausgang (eingebaute Lautsprecher oder Kopfhörer) anhaken.
- Systemeinstellungen > Ton öffnen und dieses Multi-Output-Gerät als Ausgang setzen.
- Aufnahme-App öffnen und BlackHole 2ch als Audio-Eingang wählen.
- Aufnehmen.
Wenn du fertig bist, denk daran, deinen Systemausgang zurück auf deine normalen Lautsprecher zu setzen. Das Multi-Output-Gerät bleibt aktiv, bis du es änderst.
Das ist die richtige Methode, wenn dein Budget null ist und du dich mit dem Audio-MIDI-Setup wohlfühlst. Wenn die Schritte oben mühsam wirken, ist das eine faire Einschätzung.
Methode 3: OBS (kostenlos, schwergewichtigeres Setup)
OBS ist eine kostenlose, quelloffene Aufnahme- und Streaming-App. Mächtig, aber primär für Video gedacht. Für reine Audioaufnahmen ist die Oberfläche schwerer, als die meisten brauchen.
Unter macOS 12.4 Monterey und neuer (einschließlich macOS 26 Tahoe) enthält OBS 29 und neuer eine macOS-Bildschirmaufnahme-Quelle, die Systemaudio direkt erfassen kann, ohne separaten virtuellen Audiotreiber. Du fügst sie als Quelle hinzu, vergibst die Bildschirmaufnahme-Berechtigung und hakst die Option zur Audio-Erfassung an. Kein BlackHole nötig auf diesem Weg.
Auf einer älteren OBS-Version oder wenn du Audio unabhängig von der Bildschirmaufnahme erfassen willst, geht es weiterhin über einen virtuellen Treiber:
- OBS herunterladen und installieren.
- BlackHole oder Soundshine installieren und wie in Methoden 1 oder 2 einrichten.
- In OBS eine neue Quelle hinzufügen: Audioeingangs-Erfassung und dein virtuelles Audiogerät wählen.
- Einstellungen > Ausgabe öffnen und Ausgabeformat wählen (AAC für komprimiert, WAV oder FLAC für verlustfrei).
- Aufnahme starten klicken.
OBS lohnt sich, wenn du es ohnehin schon fürs Streaming oder Screen Recording mit Video nutzt. Für eine schnelle reine Audioaufnahme bringt es Komplexität, die du wahrscheinlich nicht brauchst.
Welche Aufnahme-App nehmen?
Sobald dein virtueller Audiotreiber steht, funktioniert jede App, die dich einen Mikrofoneingang wählen lässt. Ein kurzer Überblick:
QuickTime Player ist schon auf deinem Mac. Geh zu Ablage > Neue Audioaufnahme, klicke den Dropdown-Pfeil neben dem Aufnahme-Knopf und wähle dein virtuelles Audio-Eingabegerät. Gut für einfache Aufnahmen. Exportiert als M4A.
Audacity ist kostenlos und hervorragend für längere Aufnahmen oder alles, was du danach schneiden willst. Lade es von audacityteam.org. Setze dein Eingabegerät vor der Aufnahme in der Symbolleiste. Exportiert als MP3, WAV, FLAC und mehr.
GarageBand ist ebenfalls kostenlos und auf den meisten Macs schon vorhanden. Lege ein neues Projekt an, füge eine Audiospur hinzu und setze den Eingang auf dein virtuelles Audiogerät. Besser als QuickTime, wenn du die Aufnahme danach schneiden oder mischen willst.
Sprachmemos geht im Notfall. Es nimmt von dem Eingang auf, der als Standard gesetzt ist – wechsle also dein Eingabegerät zuerst in den Systemeinstellungen. Begrenzte Schnittmöglichkeiten.
OBS, wenn du Audio neben Video aufnehmen oder den Ton live streamen willst. Übertrieben für reines Audio, kann aber hochwertige gleichzeitige Audio- und Videoaufnahme gut.
Für die meisten Anwendungsfälle ist QuickTime oder Audacity in Kombination mit Soundshine der schnellste Weg zu einer guten Aufnahme.
Welche Methode passt zu dir?
Willst du in den nächsten zwei Minuten aufnehmen: Soundshine. Installieren, Schalter umlegen, Eingang in deiner Aufnahme-App wählen.
Hast du null Budget und Lust auf eine einmalige Setup-Session: BlackHole mit Multi-Output-Konfiguration. Folge den Schritten oben sorgfältig, dann läuft es zuverlässig.
Bist du sowieso schon OBS-Nutzer und nimmst Video auf: Füge oben drauf eine virtuelle Audioquelle in OBS hinzu.
Der rote Faden durch alle drei Methoden: Du brauchst einen virtuellen Audiotreiber, bevor irgendeine Aufnahme-App dein Systemaudio sehen kann. Das ist der Schritt, den macOS standardmäßig überspringt – und den alle drei Optionen unterschiedlich lösen.
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